Zur Wirksamkeit von QM-Systemen in der ambulanten Versorgung
- Eine empirisch-explorative Studie -
Klinkenberg, Ulrich - in: www.qm-arztpraxis.de - 2006

(Zitiervorschlag)


 

Im Folgenden skizzieren wir die Ergebnisse der QM-Vorstudie in aller Kürze. Sofern Sie an der ausführlichen Dokumentation (7 DIN A 4 Seiten) der Ergebnisse interessiert sind, schicken wir Ihnen diese gerne auf Anforderung zu (E-mail reicht!).

1. Stichprobenstruktur: Von Januar bis Oktober dieses Jahres war unter „www.qm-arztpraxis.de“ ein ausführlicher online-Fragebogen geschaltet, der in verwertbarer Form von 46 Praxisleitungen ausgefüllt wurde.

Allge­mein­medizin

Kinder­heil­kunde

Innere Medizin

Urologie

Derma­tologie

Augen­heil­kunde

Gynä­kologie

26

5

4

4

3

2

2

 Tab. 1: Stichprobenstruktur nach Fachrichtungen

EN ISO 9001

EFQM

EPA

QEP

Sonstige

22

6

12

8

1

Legende:

EN ISO 9001: Europaweit gültige, branchenunabhängige QM-Norm;
EFQM: Branchenunabhängiges QM-Modell der European Foundation for Quality Management;
EPA
: Europäisches Praxis Assessment – praxisspezifisches Modell des AQUA-­Instituts;
QEP
: Qualität und Entwicklung in Praxen; praxisspezifisches Modell der KBV
Sonstige
: Hierbei handelt es sich um ein an die EN ISO 9001 angelehntes „Modell“ einer KV.

 Tab. 2: Stichprobenstruktur nach eingeführtem QM-Modell*

* Einige Praxen haben mehrere QM-Modelle eingeführt.

2. QM und Praxiserfolg

Eine Gesamtbewertung von QM wurde von den Teilnehmern wie folgt abgefragt: „Wie schätzen Sie die Aufwand-Nutzen-Relation des gesamten QM-Systems ein“? Bei der Beantwortung konnte zwischen den folgenden Möglichkeiten gewählt werden:

n       -2: sehr ungünstig (viel mehr Aufwand als Nutzen),

n       -1: ungünstig (mehr Aufwand als Nutzen),

n       0: Aufwand und Nutzen halten sich die Waage,

n       +1: günstig (mehr Nutzen als Aufwand),

n       +2: sehr günstig (viel mehr Nutzen als Auf­wand).

Über alle 46 teilnehmenden Praxen ergibt sich hier ein – wider erwartend – stark positiver Durchschnittswert von +1,35. Bemerkenswert sind auch die verhältnismäßig geringen Streuungen der Einzelbewertungen: So gab es überhaupt keine negative Bewertung und nur zwei Praxen bewerteten die Aufwand-Nutzen-Relation mit „0“, alle anderen lagen mit ihren Beurteilungen also bei +1 oder +2.

Mit Blick auf die einzelnen Fachrichtungen ergeben sich keine bemerkenswerten Abweichungen von diesem Durchschnittswert. Anders stellt sich hingegen die Situation dar, wenn man die Ergebnisse nach QM-Modellen differenziert. Dies wird in der Tabelle 3 illustriert.

EN ISO 9001

EFQM

EPA

QEP

Sonstige

+1,36

+1,66

+1,08

+0,875

0

 Tab. 3: Durchschnittbewertung der Aufwand-Nutzen-Relation nach QM-Modellen

Bemerkenswerterweise liegen hier die beiden Modelle vorne, die nicht speziell für den medizinischen Bereich konzipiert sind. Der viel zitierte (vermeintliche) Nachteil dieser Modelle, dass man die Inhalte noch mühsam im Hinblick auf das „Unternehmen Arztpraxis“ anpassen müsse, zeigt sich hier überhaupt nicht – ganz im Gegenteil. 

Neben der pauschalen Einschätzung der Wirkungen eines eingeführten QM-Systems wurde noch abgefragt, wie sich QM auf die fünf zentralen Dimensionen der Ergebnisqualität einer Praxis auswirkt; das Ergebnis ist in der folgenden Tabelle dargestellt.

Medizinische Ergebnis­qualität

Wirtschaftliche Ergebnisqualität

Patienten-zufriedenheit

Mitarbeiter­zufriedenheit

Zufriedenheit Praxisleitung

+0,87

+0,83

+0,87

+0,96

+1,13

 Tab. 4: Durchschnittliche Auswirkungen von QM auf die Ergebnisqualität

Recht deutliche Defizite zeigen sich im Hinblick auf die Frage, ob die Bewertungen zu den Kriterien der Ergebnisqualität auf konkreten Messungen beruhen. Im Bereich der medizinischen Ergebnisqualität wurde dies nur von 30% (20 Praxen), bei der Patientenzufriedenheit von 57% (26 Praxen) und bei der wirtschaftlichen Ergebnisqualität immerhin von 78% (36 Praxen) bejaht; alle anderen Bewertungen beruhen somit auf mehr oder minder subjektiven Einschätzungen der TeilnehmerInnen.

3. Nutzen einer Zertifizierung

Von den 46 befragten Praxen haben 31 ihr eingeführtes QM-System zertifizieren, d.h. durch einen unabhängigen Auditor überprüfen lassen. Von diesen 31 Praxen handelt es sich bei 21 um ein EN ISO 9001 basiertes QM-System, die restlichen 10 Praxen haben sich an dem EPA-Modell orientiert. Zur Klarstellung sei an dieser Stelle noch angemerkt, dass die QM-Richtlinie des GBA keine Zertifizierungspflicht vorsieht. Im Vergleich zu der Durchschnittsbewertung der Aufwand-Nutzen-Relation des einge­führten QM-Systems mit +1,35, fällt die Bewertung der Aufwand-Nutzen-Relation der Zertifizierung mit +0,55 (EN ISO 9001) und +0,50 (EPA) zwar deutlich schlechter aus, liegt aber immer noch im positiven Bereich.

4. Empfehlenswerte und weniger empfehlenswerte QM-Instrumente

Die StudienteilnehmerInnen wurden gebeten, aus einer vorgegebenen Anzahl von 18 QM-Instrumenten die aus ihrer Sicht besten/wirksamsten bzw. schlechtesten/ unwirk­samsten anzugeben. Diese 18 Instrumente stellen den Kern eines jeden QM-Systems dar. Die Auswertung hierzu ergibt einen sehr heterogenen Befund, d.h. es ist durchaus keine Seltenheit, dass ein und dasselbe Instrument von einigen Praxen als sehr wirksam eingestuft wird, während andere Praxen es als sehr unwirksam bewer­ten. Somit sind hier bestenfalls grobe Tendenzen erkennbar:

n       Insgesamt wird das Instrument „strukturierte Teambesprechungen“ am günstigsten eingeschätzt. Weitere, vielfach als besonders wirkungsvoll eingestufte QM-Instrumente sind „Prozess- bzw. Verfahrensdokumentationen“ sowie „Patientenbefragungen“.

n       Auf der anderen Seite schneiden die Instrumente „Personalauswahlverfahren“, „jährliche Mitarbeitergespräche“ sowie „Dokumentation der Aufbauorganisation“ be­sonders schlecht ab.

5. Fazit und Ausblick

Die Ergebnisse der Vorstudie sollten dazu beitragen, das Thema „QM-Einführung“ wesentlich „entkrampfter“ anzugehen. Dieser Appell richtet sich vor allem an die „Berufsskeptiker“ inner- und außerhalb der Ärzteschaft, die jedwede gesetzliche Verpflichtung pauschal als „zu bürokratisch“ ablehnen. Offenbar haben die an der Studie Beteiligten Mittel und Wege gefunden, Nutzen aus den vielfältigen Möglichkeiten eines QM-Systems zu ziehen. Auf der Grundlage der Vorstudie wird nunmehr eine ge­förderte Hauptstudie konzipiert, in deren Mittelpunkt die Überprüfung verschiedener Arbeitshypothesen steht. Zugeschnitten wird die Hauptstudie u.a. auf das defizitäre Thema der Ergebnismessung. Wie bei der Vorstudie auch, werden Konzeption und (Zwischen-) Ergebnisse der Hauptstudie unter „www.qm-arztpraxis.de“ publiziert.

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